Abtsmoor – Ein neuer Anfang für Kommissarin Hannah Henker

EVA BRHEL veröffentlicht mit "Abstmoor" ihren ersten Kriminalroman, der neben verschiedenen Themengebieten auch deren Bedeutung für die Gesellschaft aufgreift. So wird Kommissarin Hannah Henker bei ihren Ermittlungen ebenso mit der Arbeit der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) konfrontiert, wie mit den Geschäftspraktiken der Vertriebsleiterin Karen Mayer-Schulte. Die Hintergrundinformationen, die die Autorin gekonnt dazu nutzt, den einzelnen Charakteren ihre Rollen auf den Leib zu schreiben, hat die ausgebildete Fernsehjournalistin intensiv recherchiert. Der KBV-Verlag hat bei der Autorin, die am Rande des Kraichgaus lebt, nachgefragt.

Olivia Walter, die tot im Abtsmoor aufgefunden wird, ist während eines Einsatzes für die Organisation zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) ermordet worden. Was hat Sie auf dieses Thema aufmerksam gemacht?

Brhel: Die Bekämpfung der Stechmücken ist in meiner Heimat ein wichtiges Thema und nach dem warmen Winter gerade wieder sehr aktuell. Die Arbeit der KABS fasziniert mich: Die Leute verbringen einen ganzen Sommer draußen in der Natur, meistens in Auen oder Mooren, also in unberührten Landschaften. Und na klar, solche Landschaften setzen die Phantasie frei.

Das Mordopfer Olivia Walter war promovierte Biologin, hatte einen Job bei der KABS und musste nebenher noch Geld bei einem Strukturvertrieb dazu verdienen.

Brhel: Olivia Walter hat schon während des Studiums für die KABS gearbeitet. Und das immer gern. Nur wurde an der Uni Heidelberg im Fachbereich Biologie ihre eigentlich bereits zugesagte Stelle gestrichen. So bekam sie finanzielle Probleme und musste notgedrungen ihren Studentenjob ausbauen. Außerdem hat im Krimi der freischaffende Ehemann keine Aufträge mehr. Es ist ja leider traurige Realität geworden, dass es für Akademiker heutzutage schwer geworden ist, den Lebensunterhalt mit einer qualifizierten Festanstellung zu verdienen. Zumindest hört man das sehr oft. Viele haben zwei oder drei Jobs, oder arbeiten als Freie, also als moderne Tagelöhner, um über die Runden zu kommen.

So hatte auch Olivia Walter versucht, mit dem Verkauf von Putzschwämmen ihre Einnahmen zu verbessern. Warum haben Sie sich für einen Strukturvertrieb entschieden?

Brhel: Strukturvertriebe verlegen den Verkauf aus dem Handel in die Wohnzimmer. Dort werden private Beziehungen missbraucht, um Geschäfte zu machen. Für mich hat die kommerzielle Nutzung des eigenen Freundeskreises sektenhafte Züge, bei der sowohl die Gastgeber als Verkäufer als auch die Gäste als Kunden mir der heimeligen Atmosphäre einer Art Hirnwäsche unterzogen werden.
Karen Mayer-Schulte als Leiterin des Marketingkonzeptes manipuliert nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch ihren Ehemann und ihren Sohn.

Werden somit auch in der Führungsebene Privatleben und Geschäft vermischt?

Brhel: Egal ob Job, Familie, Haushalt oder Aussehen, Karen Mayer-Schulte ist in allen Bereichen eine Perfektionistin und für sie kommt immer nur eines in Frage: zu gewinnen. Und da macht eine Karen Mayer-Schulte auch nicht vor ihrer Familie halt. Vor allem für ihren Sohn ist es beinahe unmöglich den daraus resultierenden Erwartungen gerecht zu werden. Er kann einfach nicht bestehen. Tatsächlich habe ich den Eindruck, auch diesem Phänomen im echten Leben zu begegnen. Kontrovers zu der eiskalt berechnenden Karen Mayer-Schulte steht übrigens die Kommissarin. Hannah Henker, die einst als Gitarristin mit ihrer Band erfolgreich war, hängt ihren Polizeijob in Konstanz der Liebe wegen an den Nagel.

EVA BRHEL
Abtsmoor
Taschenbuch – 359 Seiten
ISBN  978-3-95441-164-1
9,95 €
Mai 2014

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