„Dennings und mich verbindet schon einiges.“

Das und mehr verriet uns Autor Ansgar Sittmann im Interview zu seinem neuesten Mosel-Krimi "Ein Fünf-Sterne-Mord". 

Herr Sittmann, in Ihrem aktuellen Krimi geht es einem Restaurantkritiker an den Kragen. Wie kamen Sie auf die Idee, Ihren Privatdetektiv Castor L. Dennings dieses Mal ein kulinarisches Kapitalverbrechen aufklären zu lassen?

Das hat drei Gründe: Ich esse für mein Leben gern, auch wenn man es mir noch nicht ansehen mag. Noch heute erinnere ich mich an meinen ersten Restaurantbesuch. Dann hat es in den letzten Jahren ein Überangebot an Kochsendungen im Fernsehen gegeben, mal witzige und sehr unterhaltsame, dann wieder unfreiwillig komische, die Mordgelüste geweckt haben. Letzlich ausschlaggebend, obwohl schon eine ganze Weile her, war der Selbstmord eines französischen Meisterkochs. Bernard Loiseau erschoss sich 2003 mit einem Jagdgewehr, nachdem er in der Gunst einer Fachzeitschrift gesunken war.
  
Warum eigentlich „Ein Fünf-Sterne-Mord“? Die höchste Auszeichnung, die der Guide Michelin vergibt, sind doch drei Sterne.

Stimmt. Oder Punkte, 20 auf 20 erhält nur der liebe Gott. '5 Sterne' gefiel mir, weil viele Internetportale mittlerweile mit dieser Anzahl werten, und weil beim Leser dadurch sofort gewisse Assoziationen geweckt werden.   
  
Geboren und aufgewachsen sind Sie in Trier und von Berufs wegen dann über die Jahre zum wahren Weltenbummler geworden. Ihre Tätigkeit im Auswärtigen Dienst führte Sie in den vergangenen Jahren von Belgien über Frankreich bis in die USA, wo Sie seit Sommer 2009 in Washington D.C. mit Ihrer Familie leben. Ist die Tatsache, dass Ihr Krimi in der Moselregion spielt, auch ein Stück weit als Hommage an Ihre Heimatstadt zu sehen?

Möglicherweise eine Frage des Alters. Hatte mich Mitte der Achtziger das Fernweh gepackt, sehe ich heute Trier und die Moselregion mit ganz anderen Augen. Auch aus der Perspektive eines Touristen, der zum ersten Mal die wunderschönen Steillagen sieht, die römischen Baudenkmäler entdeckt und das besondere Flair der Region erfährt. Trier hat viel zu bieten, und ja, wenn Dennings hier ermittelt, darf man das als Hommage verstehen,   
  
Sie haben einen ausfüllenden Job, sind seit über zwanzig Jahren glücklich mit Ihrer Frau Heike verheiratet und stolzer Papa von Linda und Eric. Wie findet man neben Beruf und Familie noch die Zeit, einen Kriminalroman zu schreiben?

Eine sehr gute Frage! Wenn es nach dem "Kopfkino" ginge, müsste ich jeden Tag schreiben. Der Alltag bietet so viel wunderbaren Stoff! Man muss sich die Zeit nehmen, spät am Abend, an Wochenenden. Was nicht immer gelingt. Leider passiert es schon mal, dass ein Manuskript zwei Monate ruhen muss, bevor ich weiter schreibe. Das ist nicht tragisch, denn die Story entwickelt sich auch weiter, wenn ich nicht in die Tasten haue.  
 
Ihr Privatermittler ist ein Filou, der nichts anbrennen lässt und das Leben genießt. Spielt die Figur nur sehr gut mit Klischees oder ist auch ein kleines bisschen eigene Lebenserfahrung mit eingeflossen?
 
Dennings und mich verbindet schon einiges. Da wären schon mal einige Laster, das Rauchen und der Weinkonsum, quasi angeboren als Moselaner. Was uns trennt? Nun, Bindungsängste habe ich nicht, und ich habe mit meiner eigenen kleinen Familie mein Glück gefunden. 

Gibt es schon Reaktionen aus der Heimat zu Ihrem neuen Mosel-Krimi?

Oh ja. Ich habe einige Emails erhalten, Nachrichten auf Facebook, Glückwünsche. Ganz besonders hat mich gefreut, dass ein Leser meinte, die Darstellung der Region sei so authentisch. Ich war das letzte Mal 2011 in Schweich und Trier. Da freut es mich besonders, wenn ein "Einheimischer" seine Heimat wiedererkennt.   
  
Im Juli kehren Sie mit Ihrer Familie wieder nach Deutschland zurück. Sind schon Lesungen mit Ihnen geplant?

Ja. Die Koffer sind schon gepackt, der Flug gebucht. Im September werden zwei Lesungen stattfinden, selbst für 2014 gibt es schon einen Termin. Ich denke, weitere werden folgen, wenn ich erst einmal in Deutschland bin. Als Autor sitze ich hinter dem Bildschirm und bin mit mir und meinen Figuren allein. Das Zusammentreffen mit den Lesern wird eine echte Herausforderung. Ich hoffe sehr, dass beide, Publikum und Autor, einen angenehmen Abend miteinander verbringen werden.

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