„Es ist wichtig, junge Frauen ernst zu nehmen!“

Nadja Quint über ein kleines Eifeldorf, ihre Großmutter und die „Nähe“ des 19. Jahrhunderts

Guten Tag Frau Quint, wieder ein Debut bei KBV: Nach „Verachte nicht den Tod“, ein Kriminalroman aus Düsseldorf, der im vergangenen September erschien, nun ihr erster historischer Krimi: „Das Mädchengrab“. Er spielt im kleinen Eifeldorf Reetz Mitte des 19. Jahrhunderts. Was hat sie zum Wechsel des Genres bewogen?

Quint: Meine Großmutter Johanne Raukohl hat mir als Kind unermüdlich Märchen vorgelesen. Ich war fasziniert von der Sprache der damaligen Zeit und ich wollte gern ein Buch schreiben, das diesen Ton aufgreift. „Das Mädchengrab“ ist durchgehend in Anlehnung an die Sprache dieser Zeit geschrieben. Die Idee, einen historischen Kriminalroman zu schreiben, hatte ich schon vor langer Zeit. Allerdings war für mich immer klar, dass es eine Geschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sein müsste. 2012 war ein Jubiläumsjahr der Brüder Grimm. 2013 jährt sich der Todestag meiner Großmutter zum vierzigsten Mal. Deshalb freut es mich besonders, dass „Das Mädchengrab“ nun erscheint.

Aus Düsseldorf ins Eifeldorf: Warum spielt „Das Mädchengrab“ gerade hier und nicht zum Beispiel im Hunsrück?
Quint: Den Roman in der Eifel spielen zu lassen, lag für mich in mancher Hinsicht nahe. Seit über dreißig Jahren leben mein Mann und ich in Düsseldorf. Die Eifel war häufiges Ziel für Familienausflüge, unsere beiden Kinder waren (und sind es noch immer) erklärte Fans von Freilichtmuseen. Darum fuhren wir oft nach Kommern (Nordeifel) in die wunderbar weitläufige Museumsanlage. Auch im letzten Jahr, als „Das Mädchengrab“ entstand, war ich wieder da und habe Einzelheiten recherchiert.

Warum exakt diese zeitliche Festlegung? Denkbar wäre ja auch zum Beispiel ein Krimi zum Thema Hexenverfolgung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewesen. Einige Reetzer Frauen wurden hingerichtet. Andere vor dem Schafott  durch einen bemerkenswerten Erlass der Herzogin von Aremberg gerettet?
Quint: Nach meinem persönlichen Empfinden kann ich keinen Roman schreiben, der vor Mitte des 19. Jahrhunderts spielt. Das hat einen schlichten Grund: Es ist die jüngste Epoche, in die ich mich aufgrund eigener Erfahrungen noch hinein versetzen kann: Meine Großeltern gehörten den Jahrgängen 1890 bis 1896 an. Sie stammten alle aus Bauernfamilien und haben mir viel aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend erzählt. Von meinen Urgroßeltern, die um 1870 geboren sind, existieren  schon Fotos. Meine Romanheldin Fine wurde 1846 geboren. Sie könnte meine Ururgroßmutter sein. Vom ländlichen Leben dieser Epoche habe ich eine eigene Vorstellung, und ich hoffe, das schlägt sich in meinem Roman nieder. Es war mein Anliegen, die damalige Zeit nicht nur anhand äußerer Details lebendig werden zu lassen.

Ist es eigentlich der erste historische Eifelkrimi, der im kleinen Reetz spielt
Quint: Als Handlungsort habe ich nach einem Eifeldorf gesucht, von dem ich im Internet alte Ortspläne finden konnte. Dies war bei Reetz der Fall. Natürlich bin ich auch hingefahren und durch das heutige Dorf spaziert. Die wesentlichen Straßenzüge haben sich nur wenig geändert. Meines Wissens ist dies der erste Kriminalroman, der in Reetz spielt. Auch dem Verein der Dorfgemeinde ist kein anderer Roman bekannt.

Auch im übertragenen Sinne soll man die Vorkommnisse in „Das Mädchengrab“ deuten können. Gibt es so etwas wie die Moral von der Geschicht‘ – ohne zu viel zu verraten?
Quint: Das Thema Moral im Kriminalroman ist ein kompliziertes Pflaster. Wenn „Das Mädchengrab“ eine Moral hat, dann wohl am ehesten die: Es ist wichtig, junge Frauen ernst zu nehmen. Die Heldin Fine muss sich gegen manche Autorität und gesellschaftliche Regel behaupten, um die Taten aufzuklären und weitere Morde an jungen Frauen zu verhindern.


NADJA QUINT
Das Mädchengrab
Historischer Kriminalroman aus der Eifel
Taschenbuch
250 S
ISBN 978-3-942446-81-5
9,90 Euro


Nadja Quint liest

Donnerstag, 21.03.2013

NADJA QUINT (u.a.)
Krimilesung im Rahmenprogramm der
4. BILKER KRIMINACHT
Düsseldorf, Bürgersaal Stadtteilzentrum Bilk, Bachstr. 145, unmittelbar nahe S-Bahn-Bilk
Der Bürgersaal befindet sich in der 1. Etage über der Stadtbücherei
Einlass: 18.30 Uhr
Beginn: 19.00 Uhr
Eintritt 12,00 Euro
Benefizlesung zu Gunsten der Jugendarbeit der AGB.e.V.

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