Zuerst ein Mord, und dann Fremdenhass und Krawalle ...

Wenn die Mutter mit dem Sohne ...
Längst sind sie ein eingespieltes Team, denn der neue Roman ist bereits ihr dritter Streich. Dieses Mal haben sie sich an ein ganz großes, ein ganz brennendes Thema herangewagt: In Trier, der gemütlichen alten Stadt im Moseltal, kommt es zu Ausschreitungen. Fremdenfeindliche Krawalle erschüttern die Stadt in ihren römischen Grundfesten. Aber am Anfang von Feuer über der Mosel steht ein Mord. Ein Rechtspopulist wurde getötet. Die Menge derer, die als Täter infrage kommen, ist überaus groß!

 

Rechte Gewalt in der ältesten Stadt Deutschlands
- Der neue Kriminalroman aus dem KBV-Verlag verwebt aktuelle Themen wie
  Fremdenhass und Darknet mit der spannenden Suche nach einem Mörder.

Fremdenfeindliche Parolen, chaotische Ausschreitungen, Gefahren aus dem Darknet und ein Brandanschlag vor einer Moschee - in Trier, der ältesten Stadt Deutschlands, wüten die Flammen der rechten Gewalt. Der Krimi „Feuer über der Mosel“ von Moni und Simon Reinsch könnte aktueller nicht sein. Er ist neu im KBV-Verlag erschienen. Nach „Moselruh“ ist es der zweite Kriminalroman, den Mutter und Sohn im Hillesheimer Verlagshaus verfasst haben.

Die Handlung wühlt auf: Bei einer Demonstration vor der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier wurde der rechtspopulistische Politiker Michael Witzmann erschossen. Kriminalkommissarin Vanessa Müller-Laskowski und ihr Team versuchen verzweifelt bei dem herrschenden Chaos zwischen Mahnwachen und Schweigemärschen, rechter Randale und Straßenschlachten voll blinder Gewalt, den Überblick zu behalten. Sie sind auf der Suche nach einem Mörder und das schien nie so schwer zu sein, wie inmitten dieses Infernos an der Mosel. War der geübte Schütze ein gewaltbereiter Ausländer?

Die Autorin Moni Reinsch wohnte nur neunhundert Meter entfernt, als 1993 der Brandanschlag in Solingen auf das Haus der türkischen Familie Genc verübt wurde. Die schrecklichen Erinnerungen an dieses Ereignis ließen sie nicht los. Jetzt hat sie ihre Eindrücke und Ergebnisse neuer Recherchen, bei denen sie sich sogar ins Darknet gewagt und unter Demonstranten in Trier gemischt hat, in ihren Kriminalroman  einfließen lassen -  beklemmend, authentisch und eindringlich.

 

Sieben Fragen an die Krimiautorin Moni Reinsch

In „Feuer über der Mosel“ lassen Sie nicht nur aktuelle Entwicklungen der Asylpolitik mit einfließen, sondern auch persönliche Erfahrungen durch ein Ereignis in der Vergangenheit.

Ja, es gab ein Ereignis das mich sehr geprägt hat. Simon war am 29. Mai 1993 noch gar nicht geboren, als der Brandanschlag in Solingen auf das Haus der türkischen Familie Genc verübt wurde. Ich war im achten Monat schwanger und wohnte nur neunhundert Meter Luftlinie von dort entfernt. Bis heute erinnere ich mich an die Angst, die die nachfolgen Krawalle in mir ausgelöst haben.

Als Ort der Handlung haben Sie für den Krimi trotzdem nicht Solingen, sondern Trier gewählt.  

Wir verließen Solingen vier Jahre später und zogen wieder in unsere Heimatstadt Trier - ein beschauliches Städtchen mit gut einhunderttausend Einwohnern am Rande der Republik. Hier gibt es Ausländer im Wesentlichen als Touristen, Studenten oder Bewohner des nahe gelegenen Luxemburg, die in der Stadt einkaufen. Durch die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende änderte sich das Bild in der Stadt. Die neue Situation brodelte in Simon und mir und brachte uns auf die Idee, die Erlebnisse aus Solingen in unser bislang seliges Moselstädtchen zu adaptieren.


Die Realität holte Ihre Geschichte aber schon während des Schreibprozesses ein…

Es war erschreckend, wie sich Ideen, die wir bereits notiert hatten, bewahrheiteten. Die Realität holte uns schneller ein als uns lieb war. Jeden Tag gab es neue Schlagzeilen des Fremdenhasses. Wir haben das Schreiben zeitweise unterbrochen, um erst einmal zu sehen und abzuwarten, wie sich die Situation in Deutschland entwickeln würde.

Auch das „Darknet“ findet Platz in der spannenden Handlung - haben Sie das vor oder nach dem Amoklauf von München eingeflochten?

Vor München! Simon studiert zurzeit Informatik. Für ihn ist das „Darknet“ daher kein unbekannter Begriff. Wir haben uns für die Recherche zu unserem Buch ein Tor zu dieser Welt eingerichtet. Und festgestellt, dass es erhebliche Möglichkeiten für kriminelle Aktionen, wie beispielsweise illegalen Drogen- oder Waffenhandel bietet. Ich muss ehrlich zugeben, nach München fühlte es sich seltsam an, darüber geschrieben zu haben.


Fremdenfeindlichkeit ist kein einfaches Thema. Wie haben Sie recherchiert?

Natürlich haben wir täglich viele Zeitungen und das Internet nach Informationen durchwühlt. Aber wir sind noch tiefer eingetaucht. Wir haben im sozialen Netzwerk ein Fake-Profil erstellt und darüber rechtsradikale Seiten „geliked“, um uns über die braune Soße zu informieren. Behagt hat mir das nicht. Die Recherchen waren zum Teil eine Belastung.

Sie begaben sich bei Ihren Recherchen selbst in Gefahr: Sie mischten sich unter Demonstranten.

In Trier habe ich an zwei Demonstrationen teilgenommen. Da trafen Gegendemo und braune Demonstranten aufeinander. Ich habe diese Menschenansammlungen privat gefilmt, um die Stimmung aufzufangen und die Eindrücke für uns festzuhalten. Ein Bild, das wir auch ins Buch transportiert haben.

Fremdenhass, Gefahren aus dem Darknet, randalierende Hooligans und Rechte Anhänger – sind solche Zustände adaptierbar auf jede andere Stadt?

Auf jeden Fall! Der Krimi könnte in jeder anderen kleineren Stadt angesiedelt sein, die bislang noch glaubte, eine Insel der Friedfertigen zu sein. Wir hoffen aber, dass unsere Geschichte Fiktion bleibt und vertrauen auf ein friedliches Zusammenleben der Kulturen in Deutschland.

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