Interview mit Christoph Güsken »Der Tod fährt Rad«

Die Fahrradstadt Münster wird auch in Christoph Güskens neuen Kriminalroman Schauplatz eines Verbrechens. Der Autor lässt seinen neuen Ermittler Niklas De Jong nach dem mysteriösen „Bikeman“ suchen.


Mit Kommissar a. D.  Niklas De Jong haben Sie einen neuen Ermittler geschaffen. Wer hat Sie zu dieser besonderen Figur inspiriert?
Güsken: Da gibt es keinen konkreten Menschen. Ich hatte vorher meistens zwei Privatdetektive, jetzt wollte ich einen Ermittler, der sich eine gewisse Gelassenheit außerhalb des üblichen Ermittlungsstresses erlauben kann.

 
Zentrales Thema ihres Romans ist der Humor. Oder auch der Mangel daran. De Jong leidet an ärztlich diagnostizierter „Humorlosigkeit“.  Was interessiert Sie so an dem Thema?
Güsken: Ich finde Humor ein sehr starkes Thema, weil es in der literarischen und kriminalistischen Landschaft immer eine Art Trennlinie bildet; heutzutage kommt kaum noch ein Buch auf dem Markt, dem nicht bescheinigt wird, dass es vor 'augenzwinkerndem' Humor nur so strotzt, selbst dann, wenn es todtraurig ist. Trotzdem hat sich bis heute kaum etwas daran geändert, dass eine komische Geschichte etwas ist, das man nicht ernstnehmen muss - was richtig ist, aber das bedeutet dann immer auch, dass man sie für banal hält, was falsch ist. Gegen dieses Dilemma hat vor einem halben Jahrhundert schon Loriot zu kämpfen gehabt.

Trotz der unterkühlten Art De Jongs ist ihr schwarzer Humor charakteristisch für den Roman. Wirkt sich dieser Sinn für Humor auch auf ihren Alltag aus?
Güsken: Unbedingt. Wenn der Tag so vorbeigeht, denkt man oft, dass es das ja wohl nicht gewesen sein kann. Und dann kommen einem schon Ideen, wie er anders hätte verlaufen können ...


Haben Sie einen realen Comedian als Vorbilder für den ermordeten „berühmten TV-Comedian“?
Güsken: Nein. Ich könnte jetzt natürlich anführen, dass ich kein Dieter Nuhr-Fan bin, aber der würde ja auch nicht dadurch komischer, dass er ermordet wird. Die Wahrheit ist, es gibt kein reales Vorbild, ebenso wenig wie für den marxähnlichen Rembert Kranich.
 

Ein Mörder auf einem Fahrrad ist sehr ungewöhnlich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Güsken: In Münster wäre ein Mörder auf einem Fahrrad nicht ungewöhnlich. Wenn da ein Killer umgeht, dann auf radelnde Weise. Radfahrer sind hier eine Art heilige Kühe: Sie verkörpern das Image der Stadt und dürfen sich deshalb eine Menge erlauben. Verkehrsregeln nicht beachten, alte Herrschaften und Mütter mit Kinderwagen brutal aus dem Weg klingeln ... Wenn sie jemanden umbringen würden, kämen sie höchstwahrscheinlich mit einer Ordnungswidrigkeit davon. 


Fahrradfahren und Münster gehören zusammen. Sie selbst wohnen auch in Münster; sind Sie deshalb ebenfalls ein passionierter Fahrradfahrer?
Güsken: Natürlich! Anders kann man hier überhaupt nicht überleben.



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