Interview mit Ralf Kramp zu „Schuss mit lustig“

Ralf Kramp, Autor, Karikaturist und Verleger bringt mit seinem neuen Kurzkrimiband "Schuss mit lustig" erneut schwarzhumorige Kurzkrimis unter die Leserschaft.

"Ich liebe das Makabre, das ironische Spiel mit dem Schrecken."

Jahr für Jahr veröffentlichen Sie Bücher mit schwarzhumorigen Kurzkrimis. Woher nehmen Sie die Ideen zu so vielen Geschichten?
Kramp: Das sind viele tausend Kleinigkeiten, die manchmal nur als fast unbedeutendes Detail in einer größeren Geschichte taugen würden. In meinen kurzen Texten werden sie dann aber sehr wichtig. Orte, Berufe, Typen, die plötzlich zum zentralen Dreh- und Angelpunkt einer mörderischen Episode werden. Es macht Spaß, sie aus ihrer Bedeutungslosigkeit herauszuholen und dem Leser zu präsentieren. Man kennt all diese Dinge aus dem Alltag und schenkt ihnen oft wenig Beachtung. Denken Sie bei einem Eifeler Verkaufsbus an Kidnapper? Oder beim Handyklingeln im Konzert an Mord? Na, letzteres vielleicht schon …

Wie viele Kurzkrimis haben Sie bisher verfasst?
Kramp: Dies ist mein siebter Kurzkrimiband, und in jeden Buch finden sich zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Texte. Dazu kommen noch einige Geschichten, die aktuell noch in anderen Anthologien abgedruckt sind und erst später wieder in einem Sammelband erscheinen werden … Nun, es werden wohl insgesamt knapp zweihundert Stück sein. Darunter sind auch kleine, bitterböse Gedichte. Diese zu verfassen, macht mir übrigens immer mehr Spaß.

Was ist für Sie beim Schreiben der größte Unterscheid zwischen Kurzkrimis und Romanen?
Kramp: In erster Linie die Menge der Buchstaben. Nein, im Ernst, ich schreibe ja Whodunit-Romane. Da geht es um Detektivarbeit. Ein Mord geschieht, und gemeinsam mit dem Ermittler lösen die Leser den Fall. So etwas kann ich in einer Kurzgeschichte nicht leisten. Es gibt Kollegen, die das drauf haben. Mir gelingt es nicht, eine solche Mörderjagd auf zwanzig Seiten runterzubrechen. 

Ihre Krimis zeichnen sich immer wieder durch feinen Humor aus, der manchmal fast bis an die Schmerzgrenze geht. Was ist der Reiz für Sie, diese Art Krimis zu schreiben?
Kramp: Man bezeichnet diese Art schwarzen Humor ja gemeinhin als „britisch“, und da liegt wahrscheinlich der Schlüssel. Ich liebe das Makabre, das ironische Spiel mit dem Schrecken. Meine Täter sind ja oft absurde Gestalten, die in ebenso absurde Situationen geraten und meistens scheitern. Ich darf dabei mal schadenfroh sein, ich darf sie mitleidslos quälen, und ich darf Kübel voller Pech über ihnen ausschütten. All das, was ich im wirklichen Leben niemals tun würde, weil das nun mal nicht meine Art ist. Und weil ich natürlich vergleichsweise wenig mit Mördern zu tun habe. 

Nach welchen Kriterien haben Sie die Geschichten für „Schuss mit lustig“ zusammengestellt?
Kramp: Ich verfahre bei diesen Sammelbänden immer nach demselben Schema: Im Laufe von etwa zwei Jahren bin ich immer wieder als Gastautor an Anthologien beteiligt. Ich schreibe dann Kurzkrimis zu dem jeweiligen Thema des Buches. Das kann eine Sammlung zu einer bestimmten Region sein oder zum Thema „Cocktails“, das kann sich um das Weihnachtsfest drehen oder um den Oberbegriff „Sport“. Wenn dann eine gewisse Zeit verstrichen und das Buch schon länger auf dem Markt ist, dürfen die Autoren mit ihren Geschichten nach Lust und Laune verfahren. Ich stelle sie dann immer zu einem ganz bunt gemischten Sträußchen zusammen. Aber es gibt auch Geschichten, die ich speziell für den neuen Band verfasse. So zum Beispiel die noch ganz unbekannte Episode, in der Kommissar Kasperle den Mord an der Großmutter aufklären muss. Das ist noch in keinem Theater gezeigt worden.

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