„In jeder Figur steckt ein kleines Stück von mir. Auch im Bösewicht.“

Nach ihrem Krimidebüt „Chablis“ zieht es die gelernte Sommelière Ulrike Dömkes literarisch nun an die Mosel.
In ihrem neuen Roman „Roter Riesling“ bringt sie neben den kriminellen Machenschaften auch die Gaumenfreuden verschiedener Speisen und den passenden Weinen aufs Papier.

Frau Dömkes, Ihr neuer Kriminalroman „Roter Riesling“ spielt an der Mosel. Nach Frankreich nun also heimische Gefilde. Welchen Bezug haben Sie zu diesem Landstrich?
Dömkes: Wir haben seit über zwanzig Jahren gute Freunde an der Mosel und seit einiger Zeit auch ein kleines Haus. So kommt es von selbst, dass man sich näher mit der Gegend beschäftigt. Wir mögen die Leute sehr und es ist einfach schön hier. Dazu kommt die Nähe zum Wasser, man kann schwimmen und paddeln oder auch angeln. Und wenn man Glück hat fängt man(n), in diesem Fall meiner, auch was. So ein Zander mit einem Gläschen kühlen Riesling, das ist dann schon fein.
 
Schauplatz ist – wie könnte es anders sein – ein Weingut. Der Winzer geht ein großes Wagnis mit der Produktion des „roten Rieslings“ ein. Das klingt nach sehr viel Weinwissen Ihrerseits.
Dömkes: Ja, ich habe an der Wein- und Sommelierschule in Koblenz einen Abschluss als Weinfachberaterin gemacht und danach ein halbes Jahr auf einem Baroloweingut im Piemont gearbeitet.

Muss der Leser Sorge haben, dass es zu fachlich wird?
Dömkes: Nein, nein, keine Sorge. Ich habe es so gemacht, wie ich es mir selbst am besten gefällt. Ich finde immer, wenn man so 'en passant‘ etwas lernt, ist das wunderbar. Während man als Leser genüsslich die Helden begleitet, vom köstlichen Essen bis zum gepflegten Mord, erfährt man etwas über Weine und die Dinge die dazu gehören. Am Schluss des Buches ist man schlauer und hoffentlich neugieriger.
 
Sie erzählen auf zwei Zeitebenen und pendeln dabei zwischen dem Jahr 1877 und der Gegenwart. Sind beide Stränge ausgedacht, oder gibt es authentische Details in der Story?
Dömkes: Alles Phantasie! Die alte Brauereiruine am Moselufer, in der ein Teil der Geschichte spielt, gibt es wirklich. Wer weiß, was da alles steckt? Dass es dort spukt ist Ehrensache!
 
Die Weinhändlerin Marlene und ihr Freund Ispettor Claudio ermitteln auch in diesem Roman wieder auf eigene Faust. Spiegeln diese Figuren womöglich verschiedene Charakterzüge der Autorin wider?
Dömkes: (Lacht) Na, klar. Marlene hat meinen Beruf, Claudio lässt Regeln auch mal Regeln sein. Aber so ist es mit allen Figuren. In jeder steckt ein kleines Stück von mir. Hm, auch im Bösewicht? Na, bestimmt in dem auch. (Lacht wieder) Aber ich glaube, das ist bei jedem Autor so.

Vielen Dank!

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