„Mein Ausgangspunkt für die Plotentwicklung sind in erster Linie die Charaktere, ihre Sehnsüchte und emotionalen Verstrickungen.“

Mit ihrem neuen Kriminalroman aus Bielefeld „Das fremde Grab“ bringt die Autorin Heike Rommel das Ermittlerteam ihres Debüts „Nacht aus Eis“ zurück. Der studierten Psychologin und Tochter eines Kriminalbeamten und einer Polizeiangestellten gelingt auch in ihrem neuen Krimi die psychologisch feine Zeichnung der Personen mit allen Ecken und Kanten.
Der Fall um einen verschwundenen Anlageberater, der Verdacht eines Verbrechens und die Verwicklungen der Kripokollegen versprechen Hochspannung.

„Mein Ausgangspunkt für die Plotentwicklung sind in erster Linie die Charaktere, ihre Sehnsüchte und emotionalen Verstrickungen.“

In Ihrem neuen Kriminalroman „Das fremde Grab“ treffen die Leser erneut auf Kommissar Dominik Domeyer und seine Kollegen. Verschiedene Probleme innerhalb des Polizeipräsidiums haben sich schon im Vorgängerroman „Nacht aus Eis“ angedeutet. Haben Sie genug Konfliktpotenzial für weitere Romane?
Rommel: Mit dem sehr korrekten Bent Andersen auf der einen Seite und Dominik Domeyer und Nina Tschöke, die im Dienst auch schon mal zu unorthodoxen Methoden und Alleingängen neigen, auf der anderen Seite, prallen gegensätzliche Charaktere aufeinander. Auch aus privaten Gründen gestaltet sich Andersens Verhältnis zu Domeyer dauerhaft kompliziert. Die Homosexualität des Hauptkommissars schafft Verwicklungen und sein Outing steht in Bielefeld noch aus. Abgesehen davon können auch Neuzugänge ein Team ordentlich aufmischen…      

Schauplatz der Kriminalhandlung ist Bielefeld. Es gibt einen Ausflug nach Flensburg. Wie wichtig sind die Orte für Ihre Handlung?
Rommel: Orte können Atmosphäre schaffen, wie etwa die Regenwetter-Düsterheit und Einsamkeit einer abgeschiedenen Stelle im Teutoburger Wald.  Sie spiegeln Stimmungen wider, wecken Erinnerungen und können so das Innenleben der Figuren sichtbar machen. Der Besuch in Flensburg  lässt  zum Beispiel Andersens widersprüchliche Empfindungen deutlich werden: Beim Gang über den Museumshafen fühlt er sich fremd in seiner früheren Heimatstadt, wie ein Tourist. Geruch und Anblick des Treppenhauses seines alten Zuhauses hingegen ziehen ihn in seine Vergangenheit hinein, es kommt ihm vor, als beträte er mit dem Haus sein altes Leben. 

Domeyers Familienleben spielt eine wichtige Rolle. Zumeist gehören Romankommissare eher zu der Gattung „Einsamer Wolf“. Warum machen Sie es anders?
Rommel: In „Nacht aus Eis“ war Domeyers Familie von dem Verbrechen betroffen. In „Das fremde Grab“ steht seine Familie mehr im Hintergrund, aber seine persönliche Geschichte wird weitererzählt, übrigens auch die der anderen Hauptcharaktere.  Die Nebenhandlungen, die sich daraus ergeben, variieren Aspekte der Haupthandlung. Mein Ausgangspunkt für die Plotentwicklung sind in erster Linie die Charaktere, ihre Sehnsüchte und emotionalen Verstrickungen. Das trifft natürlich nicht nur auf die Ermittlercharaktere zu, aber hier habe ich die Möglichkeit, Entwicklungen zu vertiefen. Das Team im Gegensatz zu dem „einsamen Wolf“ bietet außerdem Raum für sehr unterschiedliche Charaktere, darunter auch schräge Figuren und „Antihelden“, die die oft düstere Krimihandlung auflockern.   
      
Ausgangspunkt der Ermittlung ist das Verschwinden eines Anlageberaters. Gibt es Vorbilder für diese Situation? Lassen Sie sich von realen Fällen inspirieren?
Rommel: Einen konkreten Fall hatte ich nicht vor Augen. Aber spätestens mit der Bankenkrise ist das Thema Anlagebetrug ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ich lese immer mal wieder von solchen Fällen, das Thema hat nichts von seiner Aktualität verloren.  In meiner Krimihandlung taucht es auf, ist aber nicht zentral, sondern ein Teil des Gesamtbildes. 

Wenn es irgendwann einen „Tatort Bielefeld“ mit Kommissar Domeyer geben sollte, wie würden Sie ihn besetzen?
Rommel: Gute Frage! Ich glaube, das Casting könnte schwierig werden. Bei deutschen Schauspielern geht es vom Typ her so in die Richtung Jan Josef Liefers, doch der verdingt sich ja schon bei der Konkurrenz.  Vorstellen könnte ich mir den hierzulande eher unbekannten irischen Schauspieler Stuart Townsend. Aber ob der ausgerechnet in einem „Tatort Bielefeld“ mitspielen würde?

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