Nachgefragt bei Peter Godazgar

Der Autor arbeitet als Redakteur bei der Mitteldeutschen Zeitung in Halle. Seit einigen Jahren verfasst und veröffentlicht er kriminelle Romane und Kurzgeschichten.
Erstmals sind nun alle seine bisher veröffentlichten schwarzen Stories in einem Band erschienen: „Der tut nix, der will nur morden!“

Also bei Humor hört für mich der Spaß auf.

Lieber Herr Godazgar,
Sie schreiben seit vielen Jahren Romane und Kurzgeschichten. Nun sind Ihre schwarzhumorigen Kurzkrimis in einem Band veröffentlich worden. Ist die Sammlung komplett?
Godazgar: Jawohl, und sogar noch drei bislang unveröffentlichte Geschichten. Allerdings schreibe ich ja pausenlos weiter. Jene Geschichten, an denen ich gerade schreibe, sind also leider nicht in dem Buch zu finden. Das ist natürlich schade, aber man kann eben nicht alles haben im Leben. Ich hätte auch gerne meine frühen Gedichte ins Buch reingenommen, aber darin geht es nur um Blumen und Wolken. Wenn Sie mich nicht verraten, dann verrate ich Ihnen: Zwei dieser Gedichte habe ich in der Geschichte "Ein Dichter rastet aus" ins Buch reingeschmuggelt. Sie heißen "Liebesgedicht IV" und "Innerer Frieden".

Wie kommen die Ideen zu Ihren Geschichten? Sie beschreiben ja im Vorwort des Buches selbst, dass Sie harmonieliebend sind. Woher kommen also diese Mordgelüste?
Godazgar: Mordgelüste? Ich bitte Sie! Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis beweist, wie friedliebend ich bin: Da finden sich sage und schreibe acht Geschichten, in denen niemand stirbt. Aber auch für mich gilt natürlich: Manchmal muss es eben Mord sein. Ich achte allerdings sehr darauf, dass am Ende die Guten überleben.
 
Was schreiben Sie lieber: Kurzkrimis oder Romane?
Godazgar: Gute Frage. Man könnte ja meinen, Kurzkrimis sind leichter, weil sie kürzer sind. Aber das stimmt leider nicht. Wobei: Einen Roman zu schreiben, dauert schon etwas länger. Insofern ist die Kurzgeschichte immer eine schöne Ablenkung, wenn's beim Romanschreiben mal wieder hakt. Und ich kann Ihnen sagen: Es hakt verdammt oft beim Romanschreiben. Als Autor bin ich ja durchaus sensibel, da reicht es schon als Ablenkung, wenn meine Kinder durch die Bude stürmen, der Fernseher läuft, das Telefon klingelt oder jemand was bei Facebook postet.
 
Der Humor kommt in Ihren Geschichten nicht zu kurz. Was ist der größte Spaß beim Schreiben?
Godazgar: Humor? Spaß? Also bei Humor hört für mich der Spaß auf. 

Darf man sich über jedes Thema lustig machen? Wo bleibt beispielsweise der Respekt vor Aktenzeichen XY?
Godazgar: Aber ich mache mich doch nicht über Aktenzeichen XY lustig, sondern über die leider nie ausgestrahlte Vorgängersendung. Ich glaube allerdings, dass es in der Tat Themen gibt, über die zumindest ich mich nicht lustig machen würde. Fragen Sie mich jetzt aber bitte nicht, welche Themen das sind.

Sie sind ein begnadeter Vorlesekünstler. Haben Sie beim Verfassen Ihrer Geschichten schon die pointierte Lesung im Kopf?
Godazgar: Begnadet? Ich würde sagen, genial trifft es eher. Oder einzigartig, sensationell, phänomenal, grandios - na ja, egal. Nee, beim Schreiben habe ich die Lesung noch nicht im Kopf. Da weiß ich ja noch nicht, ob und an welchen Stellen das Publikum dann auch tatsächlich lacht. Nach zwei, drei Live-Aufführungen bin ich meist schlauer.

Wie lautet das Thema Ihres nächsten Kurzkrimis?
Godazgar: Aktuell schreibe ich an einer Märchen-Parodie: Ein Schlosser/Sicherheitstechniker wird zu einer Kundin geschickt. Der Mann heißt Hans Gretel, und die Kundin wohnt in einem komischen alten Haus tief im Wald. Er stellt fest, dass das ganze Haus überhaupt nicht einbruchsicher ist. Die Geschichte wird im kommenden Jahr in einer Handwerker-Anthologie erscheinen. Natürlich bei KBV.

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