Nachgefragt bei den Krimi-Cops

Die fünf Polizisten Carsten „Casi“ Vollmer, Ingo „Inge“ Hoffmann, Carsten „Rösbert“ Rösler, Martin Niedergesähs und Klaus „Stickel“ Stickelbroeck verarbeiten in ihren Büchern mal komische, mal härtere Einsätze.
In Ihrem mittlerweile fünften Krimi aus Düsseldorf „Knock Out“ wird der Ton rauer und die Gangart härter.

Das Schreiben funktioniert wie ein Kettenbrief

Guten Tag, liebe Krimi-Cops. Mit „Knock Out“ ist der fünfte gemeinsame Roman der Krimi-Cops erschienen. Wie koordinieren Sie die Entstehung eines Textes?
Casi: Inzwischen sind wir da ja schon richtig routiniert …
Rösbert: Bevor wir anfangen, treffen wir uns einmal und stimmen uns ab, welches Thema der Krimi als Hintergrund haben soll. Diesmal sind wir uns schnell einig geworden, das Thema sollten Drogen und insbesondere KO-Tropfen sein. Und dann funktioniert das Schreiben wie ein Kettenbrief. Einer fängt mit der ersten Szene an und schickt sie an Stickel, der das Originalskript führt. Der schickt es an alle anderen, so dass jeder jeweils die neuste Version hat. So wird verfahren, bis der Fall geklärt ist. Nach jeweils knapp 60-70 Seiten treffen wir uns, um abzustimmen, wie es weiter gehen könnte. Ohne aber ganz strikt etwas festzulegen. Es bleibt alles bis zum Ende offen.
Ingo: Ich bin immer wieder total überrascht, wie es ausgeht.

Was gefällt Ihnen besonders daran, als Gruppe Krimis  zu verfassen?
Martin: Jeder von uns fünf bringt seine Ideen ein. Da kommt dann eine Menge zusammen. So viele Drehungen und Wendungen fallen einem alleine gar nicht ein. Wenn man nicht weiter weiß, irgendwie feststeckt, dann gibt es immer einen, der mit einem überraschenden Dreh um die Ecke kommt und dann fluppt es wieder.
Casi: Ich habe beim Schreiben auch schon die späteren Lesungen im Kopf. Manche Szenen schreiben wir ganz bewusst schon so, dass wir sie später turbulent und wild vorlesen können. Da hat man als Gruppe mehr Möglichkeiten, den Text unterhaltsam zu präsentieren. Zum Beispiel, wenn wir die Textstellen mit verschiedenen Rollen lesen.
Stickel: Und auf eine gute Idee setzt dann ein anderer immer noch eine weitere drauf. Jemand hatte den Einfall, Kommissar Böller aus dem Keller des Präsidiums nochmal mitermitteln zu lassen. Ein anderer ordnete ihm das Hobby Modelleisenbahnbau zu. Ich hatte gerade die Biographie von Rod Stewart gelesen, der auch ein begeisterter Modelleisenbahnbauer ist. Und schwups, sind die beiden befreundet. Als Struller dann Böller auf Ermittlungstour an den Niederrhein schickt, nimmt der den Rod, der gerade zu Besuch ist, mit. Die nächste Steigerung: Rod Stewart ist begeistert und komponiert einen Song. „Cop Till You Drop“. Tja, und jetzt werden wir diesen Song bei den Lesungen singen.
Rösbert: Du kannst nicht singen!
Stickel: Aber ich gebe alles! Und besorge mir eine Leoparden-Leggins.
Casi: Wir versuchen jetzt, Rod Stewart zu überreden, tatsächlich ein Lied für Struller zu komponieren.  
 
In „Knock Out“ thematisieren Sie Mord, Drogenimport und Pornografie. Wie gewagt ist es, diese Themen anzupacken?
Rösbert: Richtig „gewagt“ sind die Themen ja nicht, weil man nicht konkret jemanden auf die Füße tritt. Wir selbst als „Krimi-Cops“ müssen nur immer aufs Neue aufpassen, dass die Themen zu uns passen. Unsere Krimis sollen ja spannend sein, werden aber zugleich mit einem Augenzwinkern serviert. Da müssen wir achtgeben, dass wir die Balance zwischen Spannung und Humor halten. Gerade wenn es um Drogenkonsum und KO-Tropfen geht, wollen wir natürlich auch nichts verharmlosen. Hier die richtige Mischung zu behalten, ist „gewagter“, als das Thema selbst. Deshalb kontrollieren wir uns an der Stelle auch ganz genau.  
 
Ist die Nutzung und somit Gefahr von K.O.-Tropfen immer noch so aktuell wie vor einigen Jahren?
Stickel: Absolut. Und mehr denn je.
Ingo: Wir haben uns als Hintergrund diesmal extra ein ganz aktuelles, brisantes Thema ausgesucht. Noch vor einigen Jahren waren KO-Tropfen nur etwas fürs Rotlicht-Milieu. Heute, im Zeitalter des Internets, sind diese Stoffe mit ein bisschen Rechercheaufwand relativ unproblematisch und anonym im Internet zu bekommen. Die Folgen für die Opfer sind verheerend.
Stickel: Ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daher zu kommen, gehen wir im Krimi auf die Gefahren des Zeugs ein und beschreiben, wie man bei einem „Betrunkenen“ zum Beispiel erkennen kann, dass in Wirklichkeit KO-Tropfen im Spiel sind. Und dass manche „freundliche Helfer“, die sich um ihn kümmern, leider nicht so freundlich sind, wie sie scheinen.  
 
Da Sie alle aktive Polizisten sind, drängt sich die Frage auf, wieviel Wahrheit in Ihren Krimis zu finden ist.
Martin: Wir achten sehr darauf, dass bei allem Humor die Polizeiarbeit inhaltlich-sachlich richtig dargestellt wird. Die Ermittler stellen die richtigen Fragen zur richtigen Zeit. Sie gehen den Spuren so nach, wie es echte Kriminalbeamte machen würden. Strullers Art und Weise ist natürlich … überspitzt. Aber im Grunde macht er nur seinen Job. Und den macht er gut.
Rösbert: Die Handlung selbst ist frei erfunden, aber wir bauen in unsere Krimis immer wieder Anekdoten ein, die wir tatsächlich erlebt haben, die teilweise auch im Kollegenkreis bekannt sind. Auch der ein und andere Kollege selbst bekommt eine Rolle, aber nur eine, in der er gut weg kommt, denn wir wollen niemanden verärgern. Es soll ja für alle Spaß sein. Umgekehrt kann man sagen, dass alle Polizisten, die schlecht wegkommen, frei erfunden sind.
 
In Ihren Krimis ist auch immer eine humorvolle Seite zu erleben. Wer von Ihnen schreibt die humorvollsten Passagen? Muss auch jemand ausgebremst werden?
Casi: Ich.
Stickel: Ich!
Ingo: Ich!!
Rösbert: Und ich bremse alle. Aber nur ein bisschen.

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