Nachgefragt bei Manuel Vermeer

Der Autor mehrerer Sachbücher zu den Themen Indien und China veröffentlicht mit „Mit dem Wasser kommt der Tod“ nicht nur seinen ersten Thriller, sondern damit auch den ersten deutschsprachigen Tibetthriller überhaupt.
Manuel Vermeer bereist seit über 30 Jahren asiatische Länder und lässt nicht nur sein profundes Fachwissen als Sinologe, sondern auch seine Wurzeln als Sohn einer indischen Mutter und eines deutschen Vaters einfließen.

Guten Tag Herr Vermeer,

in China und speziell Tibet, aber auch in Indien finden sich die exotischen Handlungsorte Ihres Romans.
Der Leser reist nach Qingdao, Shanghai und in den Himalaya. Als ausgewiesener Asien-Fachmann haben Sie sicher etliche der Schauplätze besucht. Oder doch alle?

Vermeer: Fast alle. Ich war nicht direkt an den im Buch beschriebenen Orten in Osttibet, die für Ausländer auch teils nicht zugänglich sind. Aber in Qingdao, Shanghai und auch in Mumbai bin ich seit Jahrzehnten immer wieder; auch in Tibet und am Mount Everest war ich.

Was hat Sie dazu bewogen, nach all den Fachbüchern nun erstmals eine fiktive Geschichte zu verfassen?

Vermeer: So ganz fiktiv ist die Geschichte doch gar nicht … Aber es ist mir ein Anliegen, das, was in Asien passiert, auch hier bekannt zu machen. Es betrifft uns doch alle, und wird doch trotz aller medialen Freiheiten hier nicht wahrgenommen. Der Thriller ist eine hervorragende Möglichkeit, Leser zu erreichen, die ein Sachbuch zum Thema nicht kaufen würden. Und es macht mir Spaß, Wissen unterhaltsam zu vermitteln.

Stichwort „Erhobener Zeigefinger“: Vom Fachbuchautor zum Romancier, das ist ein gewagter Schritt. Sie wollen ja viel mehr, als nur unterhalten.

Vermeer: Ja, ich möchte aufrütteln, aufmerksam machen. Alle reden von Globalisierung, aber wen kümmert es wirklich, was in entfernten Regionen passiert? Der Klimawandel ist nicht lokal, und wenn in China oder Indien Staudämme gebaut werden, hat das Auswirkungen auf uns! Es geht nicht nur um Exotik, es geht um unser Überleben. Ich hoffe sehr, dass eine Diskussion über das wichtige Thema Wasser stärker in Gang kommt und uns zum Nachdenken anregt. Ohne sauberes Wasser können wir nun einmal nicht leben, auch diese Ressource ist endlich!  

Die verheerenden Erdbeben der jüngsten Vergangenheit verleihen Ihrem Roman zusätzliche eine erschreckende Aktualität. Was empfindet man als Autor dabei?

Vermeer: Ich war genauso geschockt wie wir alle, allerdings nicht erstaunt. Erdbeben sind dort oben nichts Neues. Die Ursachen reichen von Plattentektonik bis zu Sprengungen. Mein Buch ist auch dadurch hochaktuell, ja, leider. Vielleicht trägt es dazu bei, Nepal nicht gleich zu vergessen. Den Menschen dort geht es viel schlechter als den Europäern, um die wir uns gerade so sorgen!

Ihr Stil ist durchaus humorvoll, atemlos und sehr bildhaft. Man sieht Land und Leute vor sich. Wie konnte Ihnen das bei einem Debüt gelingen?

Vermeer: Ob es gelungen ist, mögen die Leser beurteilen. Man muss authentisch sein, man muss aus der Erfahrung schöpfen. Ich habe vieles, was ich beschrieben habe, selbst erlebt, beim Schreiben Bilder aus dem Kopf abgerufen, die dort sehr präsent sind. China ist unglaublich beeindruckend! Nach 30 Jahren Reisen vom Dschungel über die Wüste bis Tibet gibt es ausreichend Bilder.

Wer als männlicher Autor eine weibliche Heldin wählt, muss ein guter Kenner der weiblichen Psyche sein oder gute Ratgeber haben. Was trifft bei Ihnen zu?

Vermeer: Nie würde ich es wagen, mich als Kenner der weiblichen Psyche zu beschreiben … Aber ja, ich hatte Ratgeber. Und ich bin seit 25 Jahren glücklich verheiratet, das prägt!
 
Eine charismatische Hauptdarstellerin, ein brisantes Thema, beeindruckende Sehnsuchtsorte als Location vor den Augen des Lesers läuft ein Film ab. Träumen Sie von einer Verfilmung?

Vermeer: Ja, das wäre natürlich fantastisch. Ich denke tatsächlich, dass sich der Stoff hervorragend dafür eignet. Das Thema ist gut und wichtig, die Action gewaltig, die Botschaft klar – Stoff für einen Blockbuster!

Und mit welcher Schauspielerin würden Sie die Cora besetzen?

Vermeer: Es müsste eine perfekte Mischung aus Angelina Jolie in „Lara Croft“ und Jennifer Lawrence in „Panem“ sein … mutig, intelligent, stark, hübsch – lässt sich nicht unterkriegen und rettet den Männern das Leben und letztlich die Welt!

Wird Ihrem kriminalliterarischen Debüt ein weiterer Roman folgen?

Vermeer: Oh ja, ich sitze schon dran. Cora gerät schon wieder in höchste Gefahr in … hab ich vergessen!

Herzlichen Dank!

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