Tod und Verderben im irdischen Jammertal der Religionen

Tillmann Swarts größter Wunsch sind Flügel. Doch der Traum vom Fliegen stößt bei seinem Vater auf Unverständnis. "Möge dir der Heilige Geist lieber mehr Verstand geben, als sich etwas völlig Unnützes zu wünschen, Tillmannchen", sind die Worte von Henricus Swart an seinen Sohn, der einmal die Geschäfte des reichen Viehhändlers übernehmen soll. Doch nicht nur die Träumereien lassen den Dülkener Kaufmann verzweifeln, denn der Sohn widersetzt sich zudem den Heiratsplänen des Vaters, die einen gesellschaftlichen Aufstieg ermöglichen sollen. Der Konflikt zwischen dem skrupellosen Geschäftsmann und seinem sensiblen und künstlerisch veranlagten Sohn ist nur einer der "Schlachtfelder", die Burkhardt Gorissens in seinen historischen Kriminalroman "Der Viehhändler von Dülken" einfließen lässt. Denn der Dreißigjährige Krieg macht auch vor den Toren Dülkens nicht Halt und bringt Angst und Schrecken an den Niederrhein.

"Beim Schreiben ist mir noch einmal die Gottlosigkeit von Glaubenskriegen verdeutlicht worden und die Wichtigkeit des Dialogs – eben nicht das Trennende zu suchen, sondern das Verbindende", erklärt der Autor, der mit seinem Ausflug ins 17. Jahrhundert gleichzeitig Parallelen zur Gegenwart aufzeigt. "Mich hat die Frage beschäftigt, welche Triebfeder Menschen dazu bringt, derart grausam zu agieren."

Mit einer spannenden Mischung von Fiktion und Realität geben sich bei Burkhardt Gorissen Romanhelden und historische Figuren die Hand. "Dabei ging es mir nicht darum, Bekanntes zu wiederholen", verdeutlicht der Autor, der als freier Journalist tätig ist. Und so führt er Tillmann Swart während seiner Flucht in die Kreise geistiger Größen dieser Zeit ein, wo ihm nicht nur René Descartes einen anderen Blick auf die Dinge ermöglicht. Ähnlichkeiten mit lebenden und verstorbenen Personen sind daher kein Zufall, sondern durchaus gewollt.

"Der Viehhändler von Dülken" von Burkhardt Gorissen (ISBN 978-3-95441-189-4) ist als Taschenbuch zum Preis von 9,50 € erhältlich.

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